1945/46

Der Krieg ist vorbei. Deutschland beginnt mit dem Wiederaufbau der gesamten Infrastruktur. Wirtschaft, Politik, das gesellschaftlichem Leben und natürlich auch der Sport werden wieder belebt. 

Eines der ersten Verordnungen der Alliierten war:

Amtsblatt des Kontrollrates

Direktive Nr. 23

Beschränkung und Entmilitarisierung des Sportswesens in Deutschland.

Der Kontrollrat verfügt wie folgt:

1.) Alle vor der Kapitulation in Deutschland bestehende, militärische oder paramilitärische athletische Organisationen (Klubs, Vereinigungen, Anstalten oder andere Organisationen) wird jede Bestätigung untersagt.

2.) Das Bestehen nicht militärischer Sportorganisationen örtlichen Charakters sind gestattet.
Diese Organisationen dürfen das Niveau eines Kreises nicht übersteigen und von keiner über dem Kreisniveau stehenden öffentlichen oder privaten Körperschaft überwacht, angeleitet oder finanziell unterstützt werden, außer mit Erlaubnis des Zonenbefehlshaber.
Diese Erlaubnis beschränkt sich streng auf solche Sportarten, denen in keiner Weise eine militärische Bedeutung zukommt.

3.) Jede neu gegründete sportliche Organisation, örtlichen Charakters bedarf der Genehmigung der örtlichen Allierten Besatzungsbehörde, und ihre Tätigkeit untersteht der Aufsicht dieser Behörde.Das Schwergewicht bei der körperlichen Jugenderziehung muss auf das Gebiet der Gesundheit, der Hygenie und der Erholung unter Ausschluss aller Bestandteile militärischen Charakters, gelegt werden.

Verständlich. Die Sorge dass sich Vereine, Ansammlungen oder Gruppierungen mit nationalsozialistischem Hintergrund wieder formieren könnten, war berechtigt. Aber was bedeutete dies für Vereinssportler. Man dürfte nur dort spielen oder seinen Sport ausüben, wo man seinen Wohnsitz hatte. Ein Spieler der in Alt-Treptow wohnt und früher z.B. in Baumschulenweg gespielt hatte, musste jetzt für Treptow spielen. Dadurch entstanden auch kuriose Bedingungen. In einem Spielbezirk gab es 6 Torhüter aber keine Stürmer, im anderen Bezirk war die Situation umgekehrt. Das spiegelte sich auch in der Spielstärke der Bezirke wieder, mit Ergebnissen die eine hohe Tordifferenz aufwiesen. Im Bezirk Treptow spielten Baumschulenweg, Plänterwald, Alt-Glienicke, Adlershof, Ober- und Niederschöneweide, Grünau, Johannisthal und Treptow. Auch die alten Vereinsnamen dürften nicht mehr verwendet werden.

alter Name neuer Name
Berliner SV 92 SG Wilmersdorf
BFC Viktoria 89 SG Tempelhof
SC Wacker 04 SG Reinickendorf-West
Spandauer SV SG Spandau-Altstadt
SC Borussia 20 Friedrichsfelde SG Freidrichsfelde
Blau-Weiß 90 Berlin SG Mariendorf
BFC Nordstern 08 SG Osloer Straße
BFC Südring SG Südring
VfB Britz SG Britz
BFC Meteor 05 SG Schillerpark
SC Staaken 1919 SG Staaken
Tennis Borussia und SC Charlottneburg SG Charlottenburg
SSV Köpenick 08 SG Köpenick
SC Tasmania 1900 Berlin SG Neukölln
1. FC Neukölln 1895 SG Rixdorf
SC Minerva 93 SG Tiergarten
SG Union Oberschöneweide SG Oberschöneweide
u.a. Hertha BSC SG Gesundbrunnen
VfB 23 Lichtenberg (heute SV Lichtenberg 47) SG Lichtenberg-Nord
BFC Alemannia 90 SG Prenzlauer Berg-West
Adlershofer BC 08 SG Adlershof
VfL Nord SG Nordbahn
SG Sportfreunde Johannisthal SG Johannisthal

Einige Eckdaten:

Beim der SG Treptow handelt es sich hier nicht um den Voläufer unseres heutigen Vereines, sondern um die lokale Sportgemeinschaft Treptow.

16.05.45 - das erste Spiel nach dem Krieg fand in Spandau statt,
                   Namen der Mannschaften sind nicht bekannt
26.05.45 - Fußballspiel vor 10.000 Zuschauern im Stadion Lichtenberg
11.06.45 - Zulassung des Sportamt bzw. Sportausschuss der Bezirke
21.06.45 - Sportamt der Stadt Berlin gegründet

24.06.45 -  Spiel Treptow - Oberschöneweide am Rodelberg
24.07.45 -  es finden Übungsabende statt, auf dem Sportplatz im Treptower Park
24.08.45 -  die britische Militärregierung genehmigt Neugründung von Sportclubs,
                    dass deutsche Sportclubs ohne Genehmigung der Militärbehörde wieder
                    oder neu gegründet dürfen. 
02.09.45 -  Spiel Adlershof - Treptow
08.09.45 -  Spiel zwischen Jugendmann. Kreuzberg Süd B II - Treptow B I  2:1
23.09.45
-  Spiel Treptow - Niederschöneweide am Maybachufer
30.09.45 -  Spiel Friedrichshagen - Treptow 1:1
01.10.45 -  Einspruch gegen die Regelung der brit. Militärregierung von der Alliierten
                    Kommandantur,
                    auch weiteres Bestehen von Sportvereinen ist nicht erlaubt  
07.10.45 -  Spiel Treptow - Gehörlosen SG auf dem Sportplatz Süd
14.10.45
-  Spiel Mahlsdorf - Treptow am Rosenhag
                     Erstmalig Spiele um die Berliner Bezirksmeisterschaft nach Pokalsystem -
                     Verlierer scheidet aus - bei Unentschieden in der regulären Spielzeit,
                     wird bis zur Entscheidung gespielt
21.10.45 -  Spiel Tempelhof - Treptow 2:0
23.10.45
-  Das Hauptsportamt teilt mit in einem Rundschreiben an die Bezirksämter:
                    Nach der Liquidierung der Berliner Sportvereine,
                    das die alten Vereinsnamen für Plakate oder Sportstätten nicht mehr benutzen                       werden sollten,
                    es empfiehlt Namen von ermordeten antifaschistischen Sportlern zuwählen.
28.10.45 -  Spiel Treptow - Friedrichsfelde am Maybachufer
11.11.45 -  Spiel Treptow - Kreuzberg Süd   1:17
29.11.45 -  mit sofortiger Wirkung sollen alle Sportsektionen mit militärischem Charakter
                    aufgelöst werden


Qualifikationsrunde

Die erste Berliner Meisterschaft wurde schon 1945/46 ausgetragen. Zunächst wurden die Staffeln regional eingeteilt nach vier Abschnitten (Nord, Ost, Süd und West) und innerhalb der Abschnitte ggf. in zwei Abteilungen (abhängig von der Größe des Abschnitts).
Die einzelnen Sieger der jeweiligen Abschnitte sollten bis Mai 1946 ermittelt werden, um danach im Juni 1946 den Berliner Fußballmeister zu erspielen. Aufgrund der reinen Aufteilung nach geografischer Lage und weniger nach sportlicher Stärke kam es in den einzelnen Ligen jedoch schnell zu relativ hohen Spielergebnissen.
Deshalb wurde im Dezember 1945 der Modus neu überarbeitet. Die besten 38 der bis dahin 67 an den Spielen teilgenommenen Spielgemeinschaften wurden in vier Staffeln (zu je neuen Mannschaften) aufgeteilt mit dem Ziel, gleich starke Staffeln zu bilden.
Dabei stellten die starken Abschnitte Nord und Ost jeweils zwölf, die beiden schwächeren Abschnitte Süd und West nur jeweils sechs Mannschaften.
Arthur Priefert, der Leiter der Sparte Fußball im Hauptsportamt gab am 23.12.45 dem Kurier ein Interview über die Einteilung der nächste Saison.

Kurier - 28.11.45